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electrocomics

saint petersburg II

Posted on 2007.10.07 at 19:02
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One praiseworthy thing in digital age is, that people really send copies of their photos. Before the invention of e-mails everybody only promised "yes, I´ll make you one copy" but it never happened.
Nina Pechkovskaya, who sent me pictures of the Boom-Fest in Saint Petersburg didn´t give promises and she didn´t make the photos with a digital camera. She used a Lomo, this obscure russian Camera, out of which some western european scene kids make a cult. Indeed it produces a fine play of colours, but I think, the real credits have to go to Nina, who simply is a good photographer.




Knut Larsson from Sweden


Dima, organizer of the festival


Sacha Goerg (Belgiume) and Jimmy Beaulieu (Canada)


Ulli Lust (Austria), Jimmy Beaulieu, Philippe Girard (Canada), Tomas Kucerovsky (Ceská)


Niklas Asker (Schweden)

Thank you, Nina!

ulli lust

Russia! Comicfestival in Saint Petersburg

Posted on 2007.10.03 at 20:54
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„Comics wurden vom CIA  erfunden, um junge Menschen in Russland und aller Welt zu verblöden", lautete die Formel, mit der die alte Sowietunion die Verbreitung von Comics verhinderte. Bis heute gibt es in Russland keine Comicverlage, keine Comicläden, keine Comickultur, abgesehen vom Comic-Festival KomMissia in Moskau, veranstaltet von Zeichnern, die zusammen Spass haben wollten.

Voriges Wochenende lief die erste Ausgabe des „Boom-Fest" in St. Petersburg vom Stapel, organisiert von Freunden der avancierten Bilderzählung. Dmitry Iakovlev, Mascha, Illia, Galina usw. luden eine internationale Künstlerriege zu Vorträgen und Workshops in die Räume des Museums von Anna Achmatowa (1899-1966, Dichterin und „Grande Dame" der russischen Literatur).
Eine kleine Ausstellung im Park zeigte Arbeiten von Knut Larsson (Sweden), dessen „Deer Girl" als e-book bei electrocomics downloadbar ist, Marcel Ruijters (Niederlande), Marco Turunen (Fi), Jyrki Heikkinen (Fi), Sacha Goerg und Cedric Manche aus Belgien (www.employe-du-moi.org, grandpapier.org), Jimmy Beaulieu (Canada), Mawil aus Deutschland, meine Wenigkeit und viele andere.
Weil der Festivalplan in Cyrillischer Schrift verfasst war - wie übrigens nahezu sämtliche Informationsmedien in St. Petersburg, ich stand ratlos vor Strassenschildern und Speisekarten - kann ich leider nicht von den beiden grossen Ausstellungen mit Osamu Tezuma und den Mumin-Comics von Tove Jansson berichten, denn ich habe sie nicht gefunden.

In jedem Fall war es ein gelungenes Festival, die Premiere lässt auf eine regelmäßige Fortsetzung hoffen!

Ulli Lust

(I would like to present fotos of all nice people I met in Saint Petersburg, but most of the pictures are blurred)



Cedric Manche


Ulli Lust and Jyrki Heikkinen (Finnland)




russian girls like to decorate themselves with leaves,


and they seem to have a good sense for balance.


the catalog is finally printed! (Jimmy Beaulieu, Dima Iakovlev)


a comicmagazine from Brno, Ceská


this young gallerist founded a comic art book gallery in Saint Petersburg last month
with works by Frédéric Coché and Stefan J. H. van Dinther


lecture about russian traditions in picture storytelling, for example in the surrounding of icon paintings


the boom-fest has all chances to be a fumetto for eastern europe: the festival chartered a
boat for a trip on the newa by night, driving past the illuminated city (right: Namida, russian comicartist)

Kristiina Kolehmainen from the comic library in stockholm and her friend Britt Marie took me
to a "good restaurant with russian food
". It came out, that it was the presumable most expensive
restaurant of saint petersburg, for sure it was the most luxurious, I've ever been to (and I ate with
mafiosi in Italy 20 years ago). This is the toilet.



And this is the decoration you have to pass on the way to toilet:


ulli lust

fumetto 2007

Posted on 2007.04.03 at 00:00
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Sensationell war es wirklich, das Fumetto Comixfestival 2007 in Luzern. Hervorragend, inspirierend und unglaublich relaxed war es immer schon gewesen, aber dieses Jahr übertraf die Vorigen, nicht zuletzt dank der Programmgestaltung des neuen Festivaldirektors Lynn Kost.

Um zur Fumetto Comicausstellung im - alle Jahre wieder architektonisch atemberaubenden - Kunst- und Kongresszentrum Luzern zu gelangen, mußte man einen grossen traurigen Raum mit armseligen Exponaten der Gewinner eines Kunstpreises durchqueren. Plötzlich wurde man in die grotesk opulente Bilderwelt eines Nicolas de Crècy geworfen, im Raum darauf folgten Originalzeichnungen aus dem interessantesten Comicmagazin der letzten Jahre, Kramers Ergot aus Los Angeles.



Stilistisch scheinen die Macher von Kramers Ergot mit zeichnerischen Mitteln ähnliche ästhetischen Ziele zu verfolgen wie die jungen Musiker des Neofolk. Ihre Bildsequenzen sind vielschichtig, bunt, sensibel.

Im nächsten Raum: konzentriert und geometrisch Richard Mcguire.



Er erzählte in seinem Vortrag zur Ausstellung, es gefiele ihm, mit formalen Beschränkungen umzugehen. Seine Bilder wirken, wie der Fumettokatalog so treffend beschreibt, „auf den ersten Blick formalistisch, und bergen Geschichten von hohem intellektuellen Gehalt." Der Kontrast zwischen Richard Mcguires Arbeiten auf Papier und Bildschirm zu den darauffolgenden herrlich altmodisch wirkenden Zeichnungen von Peter Blegvad könnte optisch nicht grösser sein, inhaltlich aber offenbarte sich ihre geistige Verwandtschaft. Beide haben Vergnügen an Gedankenspielen, verfolgen ihre Ideen präzise bis zum Ende und verlieren sich nicht in formalen Experimenten.



Raum um Raum durchschreitend begann ich zu schweben, schmatzte und schnalzte geniesserisch mit der Zunge.

Weitere Ausstellungen zeigten Arbeiten des Hamburger Magazins „Orang" (originell das Ausstellungsdesign von Till Thomas),
Frederic Peters (na, der kann so richtig sauber und klassisch Comics zeichnen), Nicolas Mahler (Artist in Residence im vornehmen Hotel Schweizer Hof, dafür mußte er jeden Nachmittag ein Bild zeichnen, O-Ton Frau Mahler „Man gewöhnt sich an alles"), Blanquet („nicht für Kinder geeignet"), Gipi (die Möglichkeit, alle Comicseiten eines Buches gleichzeitig an einer Wand zu sehen offenbarte noch deutlicher, sein Talent, den "Kamerablickwinkel" in filmischer Manier von Panel zu Panel zu verändern) und Killoffer (wollte Kunst machen, ist ihm gelungen).

Nachwuchsstar des Festivals war Kati Rickenbach, vor deren Signiertisch sich lange Schlangen bildeten. Sie überzeugte mit ihrem Buch „Filmriss" ebenso wie mit einer liebevoll gestalteten Einzelausstellung. Ein älterer Mann jedoch raunte mir zu:" Ich war gerade in der Ausstellung von Kati Rickenbach, na, also, ich dachte immer, die Kati wäre ein solides Mädchen!" (Ich schaue erstaunt) "Bei der folgt ja eine Männergeschichte auf die Nächste!" Nun zeichnet Kati Liebeleien, aber weder Nackedeis noch erotische Szenen. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin Anna Sommer, die ebenfalls ein neues, allerdings autobiographisches Buch mit dem schönen Titel „Die Wahrheit und andere Erfindungen" in einer Ausstellung präsentierte. Gegen Anna Sommer ist Kati Rickenbach ein sehr solides Mädchen, und selbst Anna überschreitet keine der zeitgemäßen Anstandsgrenzen. Ich habe mich im Stillen gewundert, warum der Mann seine Empörung gerade von mir bestätigt finden wollte.

Gruss,
Ulli Lust
(in der Ausstellung von Blanquet)




Bootsfahrt auf dem Vierwaldstätter See


Peter Blegvad, Kai Pfeiffer, Pauliina Makela (finnische Wettbewerbsgewinnerin), Chihoi und Kati Rickenbach


Pierre Thomé


Mawil, Sammy Harkham (Kramers Ergot)


Sascha Hommer, Kati Rickenbach


Sabine Wittkowski, Liliana Cupido (Canicola)


Killoffer


Astrid und Jakob Mahler


Anke Feuchtenberger, Martin Tom Dieck im Festivalzentrum


Micha (Modern Graphics)


Tanja Huber, Kai Pfeiffer


Anders Nielsen, Liliana Cupido


KP, Dice, Kati Rickenbach


Hamburger Zeichnerinnen, in der Mitte: Marijpol


Anton und Dirk Rehm (Reprodukt)


Toby Dahmen


Sammy Harkham, Peter Blegvad


Richard Mcguire, Ulli Lust, Kai Pfeiffer


Helmut Kaplan von Tonto Comics, einer Orchidee aus Österreich, wo sonst nur Gänseblümchen wachsen;
(ausser der Trauerweide Mahler natürlich) und Kai Pfeiffer


Mawil und die Mitbewohnerin einer Freundin


Kati und Christina (Photo: Mawil)


Ulli Lust